top of page

Heute Sonntag. Tiernotaufnahme. 1.278 Euro. Warum eine Tierkrankenversicherung mehr leistet als eine OP-Versicherung.

Autorenbild: Felix Fröhlich
Felix Fröhlich
30. Aug.
4 Min. Lesezeit

Heute Morgen hat unser Hund eine Granne eingeatmet. Eine dieser kleinen, spitzen Grannen vom Gras, die sich in die Atemwege bohren. Wir sind direkt in die Tierklinik gefahren.

Der Eingriff musste sofort stattfinden. Am Sonntag.

Die Rechnung: 1.278 Euro.

Der gleiche Eingriff am Montag? 700 Euro.

578 Euro Unterschied. Weil Sonntag ist.

Wir sind froh, dass wir eine Tierkrankenversicherung haben. Sie zahlt nicht nur den Eingriff, sondern auch die Sonntagszuschläge. Ohne sie hätten wir die vollen 1.278 Euro aus eigener Tasche bezahlt.

Und hier ist das Entscheidende: Eine OP-Versicherung hätte in diesem Fall nicht geleistet.

Warum das so ist und worauf du bei der Wahl achten solltest, erkläre ich dir jetzt.


Was ist der Unterschied zwischen Tierkrankenversicherung und OP-Versicherung?

Viele Tierbesitzer denken, eine OP-Versicherung reicht. Sie ist günstiger, klingt nach dem Wichtigsten. Aber der Name täuscht.

Eine OP-Versicherung zahlt nur dann, wenn dein Tier operiert wird. Messer, Narkose, Schnitt. Punkt.

Alles, was kein klassischer chirurgischer Eingriff ist, bleibt an dir hängen.

Eine Tierkrankenversicherung ist breiter aufgestellt. Sie übernimmt Tierarztrechnungen unabhängig davon, ob operiert wurde oder nicht. Behandlungen, Diagnostik, Medikamente, Notfallbehandlungen und ja, auch Sonntagszuschläge.


Warum hat die OP-Versicherung bei einer eingeatmeten Granne nicht gezahlt?

Der Eingriff bei unserem Hund war eine endoskopische Entfernung der Granne. Kein klassischer chirurgischer Eingriff im Sinne der Versicherungsbedingungen. Kein Schnitt.

Für die OP-Versicherung ist das keine Operation. Also zahlt sie nicht.

Für unsere Tierkrankenversicherung war es eine notwendige Behandlung. Also zahlt sie.

Dieser Unterschied klingt nach Formalität. Im Notfall ist er der Unterschied zwischen einer bezahlten und einer selbst getragenen Rechnung von 1.200 Euro.


Was zahlt eine Tierkrankenversicherung, was eine OP-Versicherung nicht zahlt?

Hier ein konkreter Überblick:

  • Notfallbehandlungen an Wochenenden und Feiertagen, inklusive Zuschläge

  • Endoskopische und minimalinvasive Eingriffe

  • Diagnostik wie Röntgen, Ultraschall und Blutbilder

  • Medikamente nach Tierarztverordnung

  • Nachsorgetermine

  • Internistische Behandlungen bei Erkrankungen

Eine OP-Versicherung zahlt all das in der Regel nicht. Sie zahlt nur den Operationssaal.


Lohnt sich eine Tierkrankenversicherung wirklich?

Wenn du ein Tier hast, hast du Verantwortung übernommen. Ein Hund ist kein Statussymbol. Er ist ein Familienmitglied.

Und wie bei Familienmitgliedern passieren Dinge, mit denen man nicht rechnet. Eine eingeatmete Granne an einem Sonntagmorgen ist dafür ein gutes Beispiel.

Tierarztkosten sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Die Gebührenordnung für Tierärzte wurde 2022 zum ersten Mal seit fast 20 Jahren angepasst, teils um das Doppelte bis Dreifache.

Ein einziger Notfall kann schnell mehrere tausend Euro kosten. Wer das nicht aus dem Stegreif zahlen kann oder möchte, ist mit einer Tierkrankenversicherung besser aufgestellt.


Worauf solltest du bei einem guten Tarif achten?

Nicht jede Tierkrankenversicherung ist gleich. Drei Punkte sind besonders wichtig:


Kein Kündigungsrecht nach einem Leistungsfall

Es gibt Tarife, bei denen der Versicherer nach einer Schadenmeldung kündigen kann. Du bist dann plötzlich ohne Versicherung, genau dann, wenn dein Tier bereits als Risikopatient gilt.

Achte darauf, dass der Vertrag nach einem Leistungsfall nicht gekündigt werden kann.


Kein reiner Jahresvertrag mit Beitragsanpassung bei Verlängerung

Manche Tarife laufen als Jahresvertrag. Bei der Verlängerung kann der Versicherer den Beitrag anheben, wenn dein Tier im Vorjahr Leistungen in Anspruch genommen hat.

Das ist das Gegenteil von dem, was du willst. Wer krank war, zahlt mehr. Wer gesund war, hatte den Vertrag umsonst.

Ein guter Tarif ist langfristig kalkuliert und stabil, egal wie oft du ihn in Anspruch nimmst.


Keine Deckelung bei den jährlichen Erstattungen

Viele Tarife begrenzen, wie viel sie pro Jahr im OP- und Behandlungsbereich erstatten. Klingt nach einer Kleinigkeit, bis dein Tier mehrere Eingriffe in einem Jahr braucht.

Ein guter Tarif kennt keine solche Deckelung. Er zahlt, was anfällt, ohne dass du im Laufe des Jahres plötzlich auf einem Teil der Kosten sitzen bleibst.


Muss ich bei der Tierkrankenversicherung in Vorleistung gehen?

Ja. In der Praxis wirst du immer in Vorleistung gehen.

Es gibt Anbieter, die damit werben, dass du direkt mit dem Tierarzt abrechnen kannst, ohne selbst vorher zu zahlen. Klingt bequem. Funktioniert in der Realität aber kaum.

Ich habe mehrere Tierärzte in Potsdam gefragt. Keiner von ihnen bietet das an.

Der Grund ist simpel: Der Tierarzt müsste dann der Versicherungsgesellschaft hinterherlaufen, um sein Geld zu bekommen. Daran hat er kein Interesse. Er hat seinen Job erledigt und will bezahlt werden, nicht auf eine Erstattung warten.

Fall also nicht auf dieses Marketingversprechen herein. Zahl die Rechnung beim Tierarzt, reiche sie bei der Versicherung ein, und bekomme das Geld zurück. So läuft es. Bei guten Tarifen geht das schnell und unkompliziert.


Häufige Fragen zur Tierkrankenversicherung

Zahlt die Tierkrankenversicherung auch Sonntagszuschläge beim Tierarzt?

Ja, in der Regel schon. Das ist einer der größten Vorteile gegenüber der OP-Versicherung. Notfallzuschläge an Wochenenden und Feiertagen machen oft einen erheblichen Teil der Gesamtrechnung aus.


Was zahlt eine OP-Versicherung nicht?

Alles, was kein chirurgischer Eingriff im klassischen Sinne ist. Endoskopie, Diagnostik, Medikamente, internistische Behandlungen, Notfallbehandlungen ohne Operation. Genau das sind die Situationen, in denen eine Tierkrankenversicherung einspringt.


Kann die Tierkrankenversicherung nach einem Leistungsfall kündigen?

Bei schlechten Tarifen ja. Bei guten Tarifen ist das vertraglich ausgeschlossen. Prüf das vor Vertragsabschluss, oder lass dich beraten.


Ab wann sollte ich eine Tierkrankenversicherung abschließen?

So früh wie möglich, am besten direkt nach der Anschaffung des Tieres. Je jünger das Tier, desto einfacher und günstiger der Abschluss. Vorerkrankungen werden sonst ausgeschlossen oder mit Einschränkungen versehen.


Lohnt sich eine Tierkrankenversicherung für einen Hund?

Wenn dir dein Hund wichtig ist und du im Ernstfall nicht zwischen Behandlung und Budget abwägen willst, dann ja. Die Kosten für einen einzigen Notfall übersteigen oft die gesamten Jahresbeiträge.


Du bist dir nicht sicher, welcher Tarif zu dir passt?


Ich schaue mir an, was du und dein Tier wirklich brauchen, und sage dir ehrlich, welche Option Sinn ergibt.



Quellen:

Bundesministerium der Justiz: Verordnung über das Meisterrecht der Tierärzte (GOT 2022)



Felix Fröhlich hockt lächelnd auf einem Weg und streichelt seinen weißen Hund Teddy mit türkisem Geschirr, im Hintergrund grüne Bäume

Kommentare


bottom of page