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Altersvorsorge für Selbstständige: Dein Vorteil, wenn du ihn nutzt

Autorenbild: Felix Fröhlich
Felix Fröhlich
23. Aug.
4 Min. Lesezeit

Wer selbstständig ist, muss und darf seine Altersvorsorge selbst gestalten. Das klingt nach Mehrarbeit, ist aber eigentlich ein Privileg. Du weißt von Anfang an, was du einzahlst, was du aufbaust und was am Ende für dich da ist. Ein Angestellter zahlt 18,6 Prozent seines Bruttolohns in die gesetzliche Rentenversicherung, und bekommt zurück, was der Staat ihm irgendwann zuspricht. Du baust echtes Vermögen auf, das dir gehört.

Was du vom Staat erwarten kannst

Ohne Pflichtversicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung bekommst du im Alter keine gesetzliche Rente. Viele Selbstständige und Freiberufler sind nicht pflichtversichert und haben darauf schlicht keinen Anspruch. Wer 40 Jahre in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hat, bekommt laut DIW Berlin im Schnitt eine Bruttorente von rund 1.600 Euro pro Monat. Ob das reicht, lässt sich leicht ausrechnen.

Für Selbstständige ist die Lage eindeutig: Ohne eigene Vorsorge gibt es im Alter nichts. Das ist kein Schreckgespenst, das ist Mathematik.

Der Kostenfaktor, den viele vergessen: deine Krankenversicherung im Alter

Selbstständige, die privat krankenversichert sind, zahlen ihren PKV-Beitrag ein Leben lang selbst. Als Angestellter übernimmt der Arbeitgeber die Hälfte. Im Alter entfällt dieser Zuschuss vollständig. Du brauchst also nicht nur Geld für den Lebensunterhalt, sondern auch für einen Krankenkassenbeitrag, der im Alter genauso hoch oder höher ist wie heute.

Das bedeutet: Wer nur "irgendwie" vorsorgt, sorgt zu wenig vor.

Wie viel solltest du zurücklegen?

Als Orientierung gilt: Selbstständige, die ähnlich gut abgesichert sein wollen wie ein Angestellter mit 18,6 Prozent Rentenversicherungsbeitrag, sollten mindestens diesen Anteil ihres Nettoeinkommens monatlich in den Vermögensaufbau stecken. In der Praxis empfehlen Finanzplaner 15 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens als Zielgröße, je nach Alter und Einkommenshöhe.

Der Unterschied zum Angestellten: Du entscheidest, wohin das Geld geht, und es bleibt dir erhalten.

Deine Optionen im Überblick

ETF-Sparplan

Ein monatlicher Sparplan in breit gestreute Indexfonds ist flexibel, renditestark und günstig in den Kosten. Historisch haben globale Aktienindizes langfristig rund 7 bis 8 Prozent Rendite pro Jahr erzielt. Zwei Punkte solltest du aber kennen: Erstens unterliegen Kursgewinne der Abgeltungsteuer, wenn du verkaufst. Und zweitens ist der größte Risikofaktor nicht der Markt, sondern du selbst. Wer in schlechten Jahren verkauft oder zu früh ans Geld geht, verliert den Zinseszinseffekt. Ein ETF-Sparplan funktioniert nur, wenn er langfristig läuft und nicht angetastet wird.

Private Vorsorge mit Steuerförderung

Für Selbstständige gibt es zwei relevante Varianten:

Die Rürup-Rente (auch Basisrente) ist speziell für Selbstständige entwickelt worden. Beiträge sind bis zu bestimmten Höchstgrenzen steuerlich absetzbar, was besonders bei höheren Einkommen viel Sinn ergibt. Das Kapital ist nicht vererbbar, nicht beleihbar und nicht entnehmbar vor der Rente, was einerseits Disziplin erzwingt und andererseits vor Pfändung schützt.

Fondspolicen und private Rentenversicherungen können als Ergänzung sinnvoll sein, wenn Flexibilität und eine lebenslange Rente kombiniert werden sollen. Hier lohnt ein genauer Blick auf Kosten und Garantien.

Immobilien

Selbst genutzte Immobilien senken die Wohnkosten im Alter dauerhaft und gelten als stabile Substanzanlage. Fremd genutzte Immobilien können laufende Mieteinnahmen generieren und das Vermögen diversifizieren. Beide Varianten binden aber Kapital, erfordern Instandhaltung und sind weniger liquide als ein ETF-Depot. Für Selbstständige, die bereits in ihrem Unternehmen Klumpenrisiken haben, sollte die Immobilie eine Ergänzung sein, kein Ersatz für andere Vorsorgeformen.

Was viele falsch machen

Der häufigste Fehler: zu spät anfangen. Je früher du anfängst, desto mehr arbeitet der Zinseszins für dich. Wer mit 25 anfängt, 200 Euro monatlich zu sparen, hat mit 65 bei 7 Prozent Rendite deutlich mehr als jemand, der mit 35 mit 400 Euro startet.

Der zweitgrößte Fehler: die PKV im Alter nicht einplanen. Wer nur die nackte Lebenshaltungskosten als Vorsorgebedarf berechnet, unterschätzt seinen tatsächlichen Bedarf erheblich.

Felix Fröhlich ist Versicherungsmakler in Potsdam und spezialisiert auf Altersvorsorge und Einkommensabsicherung für Selbstständige, Freiberufler und kleine Betriebe. Er ist an keine Versicherungsgesellschaft gebunden und wählt aus einer Vielzahl von Anbietern. Wenn du wissen möchtest, ob deine Vorsorge zu deinem Leben passt, meld dich gerne. Ein kurzes Gespräch reicht oft schon.

Häufige Fragen zur Altersvorsorge für Selbstständige

Bekomme ich als Selbstständiger eine gesetzliche Rente?Nur wenn du freiwillig oder pflichtmäßig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert bist und die Wartezeit von fünf Jahren erfüllt hast. Die meisten Selbstständigen und Freiberufler haben darauf keinen Anspruch.

Wie viel sollte ich monatlich für die Altersvorsorge zurücklegen?Als Orientierungsgröße gelten 15 bis 20 Prozent des Nettoeinkommens. Wer spät anfängt oder eine höhere Versorgungslücke hat, sollte eher mehr zurücklegen. Dabei sollte der PKV-Beitrag im Alter immer mitgedacht werden.

Ist eine Rürup-Rente sinnvoll für Selbstständige?Sie kann sinnvoll sein, besonders bei höheren Einkommen, weil die Beiträge steuerlich absetzbar sind. Der Nachteil: Das Kapital ist gebunden und kann nicht frei entnommen werden. Ob es zu deiner Situation passt, hängt von deinem Einkommen, deiner Steuerlast und deinen anderen Vorsorgeplänen ab.

Kann ich als Selbstständiger freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen?Ja, das ist möglich. Ob es sinnvoll ist, hängt von deiner individuellen Situation ab. Die gesetzliche Rentenversicherung bietet Planbarkeit, aber weniger Rendite und weniger Flexibilität als private Alternativen.

Was ist der größte Unterschied zur Altersvorsorge als Angestellter?Angestellte zahlen 18,6 Prozent ihres Bruttolohns in die gesetzliche Rentenversicherung, die Hälfte übernimmt der Arbeitgeber. Selbstständige müssen das vollständig selbst finanzieren, haben dafür aber die Freiheit, selbst zu entscheiden, wie und wo ihr Vorsorgevermögen aufgebaut wird.




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