Jeder Vierte wird berufsunfähig. Was passiert, wenn es dich trifft?

Stell dir vor, du kannst morgen nicht mehr arbeiten. Nicht für ein paar Wochen, sondern dauerhaft. Was passiert dann mit deinem Einkommen, deiner Miete, deinen laufenden Kosten?
Für Angestellte gibt es zumindest ein kleines Auffangnetz: die gesetzliche Erwerbsminderungsrente. Sie ist dünn, aber vorhanden. Für Selbstständige und Freiberufler sieht es oft anders aus. Wer nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist, bekommt im Ernstfall häufig gar nichts vom Staat.
Wie wahrscheinlich ist Berufsunfähigkeit wirklich?
Die Zahl ist eindeutig: Jeder vierte Deutsche wird vor dem Rentenalter berufsunfähig. Das sind keine seltenen Einzelschicksale, das ist Statistik.
Die häufigsten Ursachen überraschen die meisten. Nicht der dramatische Unfall steht an erster Stelle, sondern psychische Erkrankungen. Sie sind für rund 28 bis 32 Prozent aller Berufsunfähigkeitsfälle verantwortlich: Burnout, Depression, Angststörungen. Bei Menschen unter 30 Jahren machen sie sogar über 38 Prozent aller BU-Anträge aus. Danach kommen Erkrankungen des Skelett- und Bewegungsapparats mit rund 18 Prozent und Krebs mit rund 15 Prozent.
Berufsunfähigkeit trifft nicht nur körperlich schwer arbeitende Menschen. Sie trifft Grafikdesigner, Coaches, Berater, Therapeuten und Freiberufler aller Art.
Selbstständige treffen die Folgen besonders hart
Wer angestellt ist, bekommt im Krankheitsfall sechs Wochen Lohnfortzahlung vom Arbeitgeber, danach Krankengeld. Das ist wenig, aber es ist etwas.
Als Selbstständiger oder Freiberufler fällt dieses Netz weg. Wenn du nicht arbeitest, verdienst du nichts. Ab dem ersten Tag. Und deine laufenden Kosten laufen trotzdem weiter: Büromiete, Software, Krankenkassenbeitrag.
Wer nicht vorgesorgt hat, gerät schnell in eine existenzielle Schieflage. Und das in einer Phase, in der man ohnehin schon kämpft.
Was eine Berufsunfähigkeitsversicherung konkret leistet
Eine BU-Versicherung zahlt eine monatliche Rente, wenn du deinen Beruf zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst. Egal ob wegen körperlicher oder psychischer Erkrankung. Du musst nicht komplett arbeitsunfähig sein, nicht im Krankenhaus liegen, nicht pflegebedürftig sein.
Die Rente läuft so lange, bis du wieder gesund bist oder das vereinbarte Endalter erreicht ist. In der Regel ist das das Rentenalter.
Ein wichtiger Fakt: Rund 80 Prozent aller BU-Anträge werden anerkannt. Die meisten Ablehnungen entstehen nicht durch Streit mit dem Versicherer, sondern weil die 50-Prozent-Schwelle knapp verfehlt wird oder weil Gesundheitsfragen beim Vertragsabschluss unvollständig beantwortet wurden. Beides lässt sich von Anfang an vermeiden.
Worauf du bei der Auswahl achten solltest
Vier Punkte sind für Selbstständige und Freiberufler besonders wichtig.
Keine abstrakte Verweisung: Ein guter Tarif verhindert, dass der Versicherer dich auf einen anderen Beruf verweisen kann, wenn du deinen eigentlichen nicht mehr ausüben kannst.
Früh abschließen: Je eher du eine BU-Versicherung abschließt, desto günstiger der Beitrag und desto einfacher die Gesundheitsprüfung. Mit 25 ist das deutlich unkomplizierter als mit 42.
Rentenhöhe realistisch planen: Die BU-Rente sollte deinen tatsächlichen Bedarf decken, nicht irgendein Mindestsatz, der kaum die Miete zahlt.
Und wenn du schon eine BU-Versicherung hast?
Dann lohnt trotzdem ein Blick. Stimmt die Rentenhöhe noch mit deinem heutigen Einkommen überein? Hat sich dein Beruf verändert und ist das dem Versicherer bekannt? Gibt es Nachversicherungsgarantien, die du noch nicht genutzt hast?
Eine BU-Versicherung ist kein Produkt, das man einmal abschließt und vergisst. Sie sollte mit deinem Leben mitwachsen.
Häufige Fragen zur Berufsunfähigkeit
Bekomme ich als Selbstständiger staatliche Unterstützung, wenn ich berufsunfähig werde?Nur wenn du freiwillig in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert bist und die Wartezeit von fünf Jahren erfüllt hast. Viele Selbstständige und Freiberufler haben darauf keinen Anspruch.
Ab wann gilt man als berufsunfähig? Die meisten BU-Versicherungen zahlen, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf zu mindestens 50 Prozent für voraussichtlich sechs Monate nicht mehr ausüben kannst.
Lohnt sich eine BU-Versicherung auch für junge Selbstständige? Ja, besonders dann. Der Beitrag ist günstiger, die Gesundheitsprüfung einfacher und das Risiko einer psychischen Erkrankung in den ersten Berufsjahren real.
Was kostet eine BU-Versicherung? Das hängt von Alter, Beruf, Gesundheitszustand und gewünschter Rentenhöhe ab. Wer jung und gesund ist, zahlt oft weniger als gedacht.
Felix Fröhlich ist Versicherungsmakler in Potsdam und spezialisiert auf Einkommensabsicherung für Selbstständige, Freiberufler und kleine Betriebe. Er ist an keine Versicherungsgesellschaft gebunden und wählt aus einer Vielzahl von Anbietern.
Wenn du wissen möchtest, ob du gut abgesichert bist, meld dich einfach. Ein kurzes Gespräch reicht oft schon.




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