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Gründer fragen mich immer dasselbe. Versicherungen für Selbstständige: Die ehrliche Checkliste für den Start.

Autorenbild: Felix Fröhlich
Felix Fröhlich
8. Sept.
4 Min. Lesezeit

Ich berate Selbstständige in Potsdam und Berlin. Und eine Frage höre ich regelmäßig, sobald jemand den Schritt in die Selbstständigkeit wagt:

„Felix, welche Versicherungen brauche ich jetzt eigentlich?"

Die Antwort ist ehrlicher als du vielleicht erwartest: Nicht so viele, wie die Werbung dir einreden will. Aber die richtigen sind unverzichtbar.

Hier ist meine Checkliste.


Das eine Prinzip, das alles entscheidet

Bevor wir zur Liste kommen, ein Satz, den du dir merken solltest:

Eine Versicherung brauchst du nur dort, wo du sagst: Dieses Risiko kann ich nicht selbst tragen.

Kannst du es selbst tragen? Dann brauchst du keine Versicherung dafür. Kannst du es nicht? Dann ist sie unverzichtbar.

Mit diesem Maßstab wird vieles klarer.


Diese Versicherungen brauchst du als Selbstständiger in jedem Fall


1. Krankenversicherung

Das ist keine Frage des Wollens. Als Selbstständiger bist du gesetzlich verpflichtet, krankenversichert zu sein.

Du hast die Wahl: gesetzliche Krankenversicherung (GKV) oder private Krankenversicherung (PKV). Beide Wege haben ihre Logik. Welcher der richtige für dich ist, hängt von deiner Situation ab. Das ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim Start in die Selbstständigkeit.


2. Berufshaftpflicht oder Betriebshaftpflicht

Du arbeitest mit Kunden, Auftraggebern, Partnern. Du gibst Ratschläge. Du lieferst Arbeit. Und manchmal geht etwas schief.

Ein Fehler in einer Beratung, ein beschädigtes Gerät beim Kunden, eine verpasste Frist: Im schlimmsten Fall haftest du persönlich. Mit deinem Vermögen. Mit deinem Ersparten.

Eine Berufshaftpflicht oder Betriebshaftpflicht fängt das ab. Ob du welche von beiden brauchst, hängt von deiner Tätigkeit ab.


Für manche Berufe ist die Berufshaftpflicht gesetzlich vorgeschrieben

Das ist kein Ermessensspielraum, sondern eine klare rechtliche Pflicht. Rechtsanwälte, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Architekten, Ärzte und Heilpraktiker dürfen ihren Beruf nur ausüben, wenn eine Berufshaftpflicht besteht. Auch Finanzanlagenvermittler und Immobilienmakler unterliegen gesetzlichen Versicherungspflichten.

Wenn du in einem regulierten Beruf tätig bist, ist die Frage also nicht ob, sondern nur welche Versicherung die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllt. Und ob sie darüber hinaus wirklich ausreichend schützt.


3. Berufsunfähigkeitsversicherung

Das ist die Versicherung, über die die wenigsten nachdenken, solange alles gut geht. Und die genau dann fehlt, wenn sie gebraucht wird.

Als Selbstständiger gibt es kein Krankengeld nach sechs Wochen. Keinen Arbeitgeber, der für dich einspringt. Keinen Kollegen, der deine Aufgaben übernimmt.

Wenn du nicht arbeiten kannst, verdienst du nichts.

Der Wert deiner Arbeitskraft liegt über dein gesamtes Berufsleben gerechnet oft im Millionenbereich. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung sichert genau das ab.


Diese Versicherungen brauchst du je nach Situation

Nicht jede Selbstständigkeit ist gleich. Manche Risiken sind branchenspezifisch. Hier die wichtigsten:


Rechtsschutzversicherung

Gerade in der Gründungsphase, wenn das Mahnwesen noch nicht aufgebaut ist, können Konflikte mit Auftraggebern oder Lieferanten teuer werden. Eine Rechtsschutzversicherung mit dem richtigen Baustein gibt dir den Rücken frei, wenn du dein Recht durchsetzen musst.


Cyberversicherung

Arbeitest du mit sensiblen Kundendaten? Läuft dein Geschäft über digitale Systeme? Dann ist ein Cyberangriff kein theoretisches Risiko. Ein einziger Klick auf einen falschen Link kann Betriebsunterbrechung, Datenverlust und Schadensersatzforderungen auslösen.


Inhaltsversicherung

Hast du ein Büro mit nennenswertem Equipment? Laptop, Kamera, Spezialgeräte? Dann lohnt sich ein Blick auf eine Inhaltsversicherung, die das Inventar deiner Geschäftsräume gegen Einbruch, Feuer und Leitungswasserschäden absichert.

Wichtig: Die Hausratversicherung gilt für deinen privaten Haushalt. Was du beruflich nutzt, ist dort in der Regel nicht oder nur eingeschränkt mitversichert. Wer also zu Hause arbeitet oder ein separates Büro hat, sollte prüfen, ob seine Geräte und sein Inventar wirklich abgedeckt sind.


Diese Versicherungen brauchst du meistens nicht

Hier ist meine ehrliche Einschätzung als Versicherungsmakler. Ich verdiene mit dem Verkauf von Versicherungen mein Geld. Und trotzdem sage ich dir: Einiges davon brauchst du nicht.

  • Handyversicherung: Wenn du dir ein kaputtes Handy leisten kannst, brauchst du sie nicht.

  • Restschuldversicherung: Teuer, schlechtes Preis-Leistungs-Verhältnis, selten sinnvoll.

  • Glasversicherung als Einzelprodukt: Oft schon im Hausrat enthalten. Doppelt zahlen macht keinen Sinn.

Denk immer ans Prinzip: Kann ich dieses Risiko selbst tragen? Ja? Dann leg das Geld lieber beiseite.


Was ich bei Gründern in Potsdam immer wieder sehe

Ich führe regelmäßig Erstgespräche mit Selbstständigen. Nicht bei der Gründung, sondern Monate danach. Meistens dann, wenn etwas passiert ist.

Das Muster ist fast immer dasselbe.

Jemand hat sich selbstständig gemacht, war mit Webseite, Buchhaltung und ersten Kunden beschäftigt, und hat Versicherungen auf „später" verschoben. Dann kommt ein Schadensfall. Oder die Krankenkasse meldet sich. Oder ein Auftraggeber verlangt plötzlich einen Haftpflichtnachweis.

Und dann ist es keine Frage mehr des Wollens, sondern des Schadensbegrenzens.

Die zweithäufigste Variante: Jemand hat eine Versicherung abgeschlossen, weil sie günstig war. Und stellt später fest, dass die Deckungssumme bei einem echten Schadensfall nicht reicht. Oder dass ein Risiko nicht abgedeckt ist, das er für selbstverständlich gehalten hat.

Beides ist vermeidbar. Dafür braucht es keine komplizierte Analyse. Es braucht einen kurzen Blick auf deine konkrete Situation.


Häufige Fragen: Versicherungen für Selbstständige


Welche Versicherungen sind für Selbstständige Pflicht?

Gesetzlich verpflichtend ist die Krankenversicherung. Alles andere ist keine Pflicht im rechtlichen Sinne, aber manche Versicherungen sind wirtschaftlich unverzichtbar. Eine Berufshaftpflicht kann zum Beispiel Voraussetzung für bestimmte Aufträge oder Projektverträge sein.


Wie viel kosten Versicherungen für Selbstständige?

Das hängt stark von Branche, Absicherungsbedarf und gewählten Tarifen ab. Pauschale Zahlen wären an dieser Stelle irreführend. Was sinnvoll ist, lässt sich nur mit einem Blick auf deine konkrete Situation beantworten.


Brauche ich als Freiberufler eine Berufshaftpflicht?

In den meisten Fällen ja. Besonders wenn du mit Kunden arbeitest, Beratung anbietest oder Ergebnisse lieferst, die Konsequenzen haben können. Viele Auftraggeber verlangen eine Berufshaftpflicht sogar vertraglich.


Kann ich Versicherungen als Selbstständiger von der Steuer absetzen?

Ja, viele Versicherungen sind als Betriebsausgaben absetzbar. Dazu zählen zum Beispiel Berufshaftpflicht, Betriebshaftpflicht und Rechtsschutz. Die Krankenversicherung ist unter bestimmten Bedingungen als Sonderausgabe absetzbar. Für die genaue steuerliche Einordnung lohnt sich der Austausch mit einem Steuerberater.


Was ist der häufigste Versicherungsfehler von Gründern?

Den Start verschieben. Oder eine Versicherung wählen, weil sie günstig ist, ohne zu prüfen, ob sie den eigenen Fall wirklich abdeckt. Beides kostet im Ernstfall deutlich mehr als eine gute Beratung zu Beginn.


Brauche ich als Gründer sofort alle Versicherungen gleichzeitig?

Die Krankenversicherung ist von Tag eins Pflicht. Die Berufshaftpflicht sollte vor dem ersten Kundenkontakt stehen. Bei der BU gilt: je früher, desto besser, denn Vorerkrankungen können den Abschluss später erschweren oder verteuern.


Ab wann sollte ich mich um Versicherungen kümmern?

Am besten vor dem ersten Kundenkontakt. Der Haftungsfall kann von Tag eins eintreten. Wer nicht abgesichert ist, haftet sofort persönlich.


Du startest gerade durch. Fang mit dem Richtigen an.


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Felix Fröhlich lächelt und berät einen Selbstständigen

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